Zurück in Quito – Besteigung des Rucu Pichincha

August 10, 2015

Ausreizen körperlicher Belastbarkeit und Kennenlernen unserer Grenzen (10.08.2015)

In Ecuador laden unzählige Berge – zumeist Vulkane – zum Hiking und Bergsteigen ein… teils erloschene, teils aktive oder ruhende Feuerberge. 73 Feuerberge drängen sich in dem kleinen Land – das ist die höchste Vulkandichte weltweit. 17 davon gelten als aktiv. Karte Vulkane EcuadorDie meisten davon befinden sich in den Anden, drum taufte Alexander von Humboldt diesen Streifen als „Straße der Vulkane“, die wiederum Teil des sog. „Pazifischen Feuerrings“ ist. Als gefährlich gelten derzeit die Vulkane Tungurahua, Cotopaxi und Pichincha. Letzteren wollten wir heute erklimmen.

Bei den vielen hohen Gipfeln soweit das Auge reicht, vergisst man leicht, dass man sich bspw. in Quito am Fuße der Berge bereits in großen Höhen befindet. Möchte man noch höher hinaus, so ist es ungemein wichtig, sich einige Zeit zu akklimatisieren. Außerdem ist es ratsam seine Grenzen zu kennen.. wir kannten unsere in Bezug auf das Bergsteigen noch nicht… sollten sie aber an diesem Montag kennenlernen und ausreizen.

Der Pichincha (letzter Ausbruch 1999) wird als Quitos Hausberg bezeichnet und besitzt 2 Gipfel: der direkt neben der Stadt gelegene Rucu Pichincha (4690m) und der Guagua Pichincha (4794m). Viele Bergsteiger noch höherer Vulkane in der Umgebung (>6000m) nutzen den verhältnismäßig leicht zu erklimmenden Rucu P. zum „warm-up“, bevor sie in noch größere Höhen gehen. Heute ist es auch für unerfahrene Bergsteiger und Wanderer möglich, diesen Vulkan zu bezwingen. Er gilt als technisch wenig anspruchsvoll, aber als anstrengend. Mit dem TeleferiQo (Gondel-Seilbahn) kann man von Quito aus bis auf knapp 4100m hoch fahren. Bis 2008 war dies die höchste Bergstation der Welt. Von dort hat man bereits eine spektakuläre Aussicht auf Quito und umliegende Gipfel. Bis vor ein paar Jahren waren bewaffnete Überfälle an diesem Berg häufig – heute gilt die Besteigung aber als sicher.

Wir versuchten uns also am Rucu Pichincha und reihten uns in die Lange Schlange am TeleferiQo ein (Feiertag in Ecuador und somit sehr voll). Das Wetter war morgens noch sehr klar und fast wolkenlos – aber das kann sehr schnell umschlagen in den Anden. Schon kurz nach Erreichen der oberen Seilbahn-Station, machten wir uns auf den Weg. Zunächst ging es noch einigermaßen leicht voran.. nur auf steileren Passagen merkten wir die Höhe und die damit verbundene dünne Luft. Je weiter wir kamen und je mehr Höhenmeter wir hinter uns ließen, desto anstrengender wurde es aber. Außerdem wurde es auch immer kälter. Die benötigten Verschnaufpausen kamen in immer kürzeren Abständen. Es kamen (kleine) Passagen, die an der Steinwand erklettert werden mussten und die Luft wurde immer dünner. Irgendwann kämpften wir uns nur noch mühsam voran und mussten alle 5 Schritte 1-2 Minuten Pause machen, nach Luft ringend. Mittlerweile war es kalt und dunkle Wolken zogen schnell auf, dazu Nebelschwaden. Wir wollten noch nicht aufgeben und mühten uns weiter hinauf. Bei knapp über 4600m, als das letzte Stück nur noch reines Felsklettern (ungesichert) gewesen wäre und wir gefühlt kurz vorm Kollabieren waren, entschieden wir uns umzudrehen. Ein Stück neben uns auf selber Höhe lag eine gestürzte (einheimische) Frau, die sich offenbar Arm, Bein und Knöchel gebrochen hatte bei einem Sturz. Bergrettung war bereits unterwegs und ihre Freunde bei ihr.. wir konnten nur mir einer Flasche Wasser helfen. Dieses Bild trug nicht zur Motivation bei, unsere Grenze noch weiter auszureizen.

Der Rückweg war deutlich einfacher als der Aufstieg.. klar. Wir fühlten uns beide niemals zuvor körperlich so fertig und machtlos, wie am Punkt unserer Umkehr. Eine absolute Grenzerfahrung! Viele andere Kletterer erzwangen den Gipfel vor und nach uns natürlich.. teils wirkte es bei ihnen recht einfach. Wir dachten eigentlich nicht, dass wir so unsportlich wären, wie wir uns dort oben fühlten.. wahrscheinlich trug die zu kurze Akklimatisierung zumindest einen Teil dazu bei, dass wir solche Probleme hatten. Wir waren die Nacht zuvor aus Ibarra gekommen, welches mit ca. 2000m deutlich tiefer als Quito liegt. Wir werden sehen, wie es uns bei weiteren Bergbesteigungen ergehen wird.

Insgesamt waren wir ab der Bergstation oben 6 Stunden am Wandern und Klettern und erreichten 4600m Höhe. Zum Vergleich: der höchste Gipfel Deutschlands ist die Zugspitze mit 2962m, der höchste Gipfel Europas ist der Mont Blanc mit 4810m. Mal eben untrainiert fast einen Mont Blanc zu meistern – doch gar nicht sooo schlecht! 😉

Karte Besteigung Rucu Pichincha Stats Bergbesteigung Rucu Pichincha

Stats Bergbesteigung Rucu Pichincha

 

 

 

 

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