Potosí – Minen und bewegende Historie

November 6, 2015

Minenbesichtigung auf über 4000m Höhe (03.-05.11.2015)

Von Sucre aus war es eine verhältnismäßig kurze Busfahrt (4 Std. Tagfahrt) zu unserem nächsten Ziel: Potosí. Dort sollten uns vor allem Minen erwarten – und eine ganz aufgeweckte kleine Stadt.

Bolivia - Potosí

Bolivia – Potosí

Potosí ist die Hauptstadt der gleichnahmigen Provinz im südlichen Zentralbolivien. Sie hat etwa 175000 Einwohner und liegt auf einer Höhe von nahezu 4100m. Die Gegend gehört zum Altiplano – einer kargen, steppenhaften Landschaft der Anden. Zum Glück waren wir längst akklimatisiert. Dennoch knockte etwas Pauline gleich nach Ankunft in Potosí aus. Hatte das wieder mit Essen zu tun? Wir wissen es nicht. Schon so einige Male auf unserer Reise durch die Anden in den letzten Monaten, erwischte es uns. Mit der Höhe kann das eigentlich nichts mehr zu tun gehabt haben. Mit Schüttelfrost, Übelkeit und Durchfall musste Pauline also das Bett hüten, während Nils gemeinsam mit Jörg und Nina am Tag nach unserer Ankunft zur Minenbesichtigung aufbrach.

Zuvor suchten wir 4 gemeinsam jedoch noch das Büro einer Agentur auf, die Touren durch den ‚Salar de Uyuni – die immense Salzwüste im Süden Boliviens – anbietet. Wir hatten uns nach einiger Recherche für einen Anbieter entschieden, jedoch von Sucre aus vergeblich versucht, per email in Kontakt zu treten. So statteten wir dem Büro einen Besuch ab, entschieden uns nach etwas Preisverhandlung dazu, die Tour zu buchen und kurzerhand buchten wir auch die Minentour über dieselbe Agentur.

Die Besichtung der Minen war beeindruckend. Die unzähligen Minen ringsherum um den Berg Cerro Rico sind bis heute noch in Betrieb. Die Silber- und Zinnvorkommen bescherten der Stadt einen sagenhaften Boom im 16. Jahrhundert. Die Minen hier waren die Hauptquelle für Silber im Spanischen Reich und auch die Münzprägung war bedeutsam. Die Geschichte der Stadt beinhaltet von Epidemien, indigene Zwangsarbeiter und Unglücke. Auch heute noch ist es eigentlich schockierend zu sehen, unter welchen Umständen die mineros (Minenarbeiter) hier in Genossenschaften Edelmetall schürfen.. und dies unter haarsträubenden Sicherheits- und Umweltbedingungen. Es wird Quecksilber und Dynamit eingesetzt um Edelmetall aus dem Stein zu lösen und sprengen, Schächte sind teils so alt, dass sie jederzeit einzustürzen drohen. Die mineros haben eine äußerst kurze Lebenserwartung – vor allem an schweren Lungenerkrankungen leiden sie schon in frühem Alter.

Bolivia - Potosí - Mercado de los mineros

Bolivia – Potosí – Mercado de los mineros

Bolivia - Potosí - Dynamite

Bolivia – Potosí – Dynamite

Bolivia - Potosí - Coca Leaves and Cigarettes

Bolivia – Potosí – Coca Leaves and Cigarettes

Auf dem Weg zur Mine machten wir Halt auf dem ‚Mercado de los Mineros‚ – dem Markt der Minenarbeiter. Er gilt als einziger Ort auf der Welt, an dem man legal hochexplosivies Dynamit erwerben kann! Und dies kann hier jeder! Die Arbeiter kaufen hier den Sprengstoff für ihre Arbeit, sowie 96%igen Alkohol, Coca-Blätter, Zigaretten, Softdrinks. Dies sind die Hauptzutaten für einen ganzen Arbeitstag eines mineros. Es ist erschreckend. Touristen erwerben auf dem Markt ebenfalls genau diese Dinge und bringen sie mit in die Mine – als Geschenke für die Arbeiter. So taten auch wir dies und fuhren anschließend zu einem der Mineneingänge. Am Tag unseres Besuchs arbeiteten nur wenige mineros, da es diverse Feiertage aneinander gereiht gab.

Bolivia - Potosí - Minero at work

Bolivia – Potosí – Minero at work

Bolivia - Potosí - Minero at work

Bolivia – Potosí – Minero at work

Bolivia - Potosí - minero at work

Bolivia – Potosí – minero at work

In der Mine folgten wir unserer Führerin, die uns viel über die Arbeit in den Minen erzählte und immer Tiefe hinein führte. Müßig zu erwähnen, dass es stockfinster ist in den Minen – dafür hatten wir Stirnlampen. Es war teils feucht, es wurde immer heißer je weiter man in die Mine gelangte, ab und an wird der Berg von Dynamit Explosionen erschüttert. Teils setzten wir unseren Mundschutz auf, weil die Luft so staubig war. Schon bald waren wir durch so viele verzweigte Gänge geklettert, dass wir ohne Guide sicher nicht mehr den Ausgang gefunden hätten. Teils ging es über steile, alte Holzleitern weiter in die Tiefe oder wieder hinauf. Ohne unsere Schutzhelme, hätten wir diverse Kopfverletzungen als Souvenier mitgenommen. Irgendwann fanden wir ein paar

Bolivia - Potosí - El Tio in the mine

Bolivia – Potosí – El Tio in the mine

DSC03380Arbeiter tief im Berg. Wir übergaben unsere Geschenke und konnten ihnen ein paar Fragen stellen, die unser Guide übersetzte. Gegen Ende der Minen-Tour statteten wir auch noch El Tio einen Besuch ab. El Tio (der Onkel) wird als Herrscher der Unterwelt respektiert von den Mineros. Zu ihrem eigenen Schutz opfern die Minenarbeiter El Tio Zigaretten, Alkohol und Coca-Blätter.

Insgesamt war die Minenerfahrung das, wofür man nach Potosí kommt. Wie erwartet, war es teils etwas beklemmend und traurig, man hatte ein Gefühl nicht wirklich sicher zu sein. Für die Menschen, die unter diesen Umständen ihren Alltag verbringen müssen und dort in den Minen arbeiten, empfanden wir Mitleid und Respekt. Das ist ein hartes Leben und falls die Arbeiter nicht rechtzeitig den Absprung finden und eine andere Arbeit außerhalb des Berges, ist es lebensbedrohlich. Uns wurde berichtet, dass selbst Studierte (Juristen etc.) zeitweise in den Minen arbeiten um schnell etwas Geld zu verdienen. Die Bezahlung ist für bolivianische Verhältnisse gar nicht so schlecht – aber wohlhabend werden mineros natürlich nicht und sie setzen ihr Leben aufs Spiel für den Job.

Bolivia - Potosí - inside the mine

Bolivia – Potosí – inside the mine

Bolivia - Potosí - inside the mine

Bolivia – Potosí – inside the mine

Bolivia - Potosí - mineros at work

Bolivia – Potosí – mineros at work

Wir waren um eine Erfahrung reicher. Ansonsten überraschte uns Potosí ein wenig. Es ist ein quirliges Städtchen und nicht komplett grau und trostlos, wie wir es eigentlich erwartet hätten.

Von Potosí sollte es dann in Richtung Uyuni weitergehen, von wo aus wir die Tour zum/durch den Salar de Uyuni starten wollten. Dazu folgt dann ein separater Beitrag.

Bolivia - Potosí - panoramic view from Cerro Rico

Bolivia – Potosí – panoramic view from Cerro Rico

Klick hier für Fotos von Potosí!

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