Osterinsel – der exotischste Ort unserer Weltreise

Dezember 17, 2015

Mystische Insel inmitten des Südpazifik: Rapa Nui (09.-13.12.2015)

Die Osterinsel (spanisch: Isla de Pascua, polynesisch: Rapa Nui) ist einer der Plätze auf der Erde, von denen man schon einmal gehört hat, sie aber nicht so wirklich zu lokalisieren weiß. Man verbindet Mystik und Moai Steinstatuen mit ihrem Namen. Zumindest war dies bei uns der Fall. Irgendwann im Laufe unserer Weltreise Planung laßen wir mehr über die Osterinsel, erfuhren, dass sie (zumindest politisch) zu Chile gehört (annektiert 1888) und dass es möglich ist, diese Insel zu besuchen. Sicher nicht ohne weiteres in einem „normalen Urlaub“, da ungemein zeit-und kostenaufwendig von Europa aus. Aber als Ziel für Weltreisende ist sie schon eher besuchbar. Die Osterinsel hat einen internationalen Flughafen und wird nur von zwei Flughäfen überhaupt angesteuert: von Santiago (Chile) sowie von Papeete (Tahiti). Es gibt auch lediglich eine Airline, die quasi ein Monopol für die Osterinsel hat (die chilenische LAN). Somit ist auch klar, dass Flüge recht teuer sind, nahezu immer voll und es selten Promotions gibt. Unser ursprünglicher Traum den Pazifik im Süden per Island-Hopping zu überqueren – also von Chile zur Osterinsel, weiter nach Tahiti, gefolgt von ein paar weiteren Stopps auf Südpazifik Inseln (z.B. Cook Islands, Samoa oder Tonga..), um schließlich in Neuseeland anzukommen, scheiterte zwar an den dafür aufzuwendenen Flugkosten. Dennoch verloren wir es nicht aus den Augen von Santiago aus auf diese exotische Insel zu fliegen. So buchten wir schließlich return flights von Santiago zum Aeropuerto Mataveri – dem abgelegensten Flughafen der Welt! Die „günstigste“ verfügbare Flugkombination erlaubte es uns 3 volle Tage + je einen halben An- und Abreisetag auf der Osterinsel zu verbringen. Natürlich hätten wir gerne etwas mehr Zeit gehabt, aber es reichte letztlich aus, um die Insel fast komplett zu erkunden.

Wie klein und wie abgelegen dieser Ort wirklich ist

Chile - Easter Island, on the way back to Santiago

Chile – Easter Island, on the way back to Santiago

Befindet man sich auf der Osterinsel und vergegenwärtigt sich, wieviel tief-blauer Pazifik in jeder Himmelsrichtung zwischen einem selbst und dem nächsten Flecken (bewohnter) Erde liegt, kann einem fast mulmig werden.. zumindest gerät man ins Staunen: Der einzige Ort auf der Osterinsel, Hanga Roa, liegt 3833 km in genauer Ostrichtung vom südamerikanischen Festland entfernt, 3526 km von der Chilenischen Küste, sowie 4251 km von Tahiti. Gen Westen befindet sich das nächstgelegene bewohnte Stück Erde – eine gar noch kleinere Insel namens Pitcairn. Diese hat keinen Flughafen und ist bewohnt von den Nachfahren der Bounty-Meuterer, Einwohnerzahl ca 50! Die Flugzeit von Santiago beträgt etwa 5 Stunden.

Osterinsel_mapRapa Nui hat ca. 6000 Einwohner und die einzige Einnahmequelle der Menschen ist der sehr überschaubare Tourismus. Die Insel ist gerade einmal 24 km lang und 13 km breit an ihren weitesten Ausdehnungen und hat eine Fläche von 162 qkm. Im Prinzip ist die Osterinsel der Gipfel einer Unterwassergebirgskette – einer von lediglich zwei Gipfeln, die bis zur Wasseroberfläche ragen. Sie besteht 3 Vulkanen/-Kratern und hat ziemlich genau die Form eines rechtwinkligen Dreiecks. Im Gegensatz zu den meisten Südpazifik Inseln, hat dieses subtropische Eiland aufgrund ihres vulkanischen Ursprungs kein vorgelagertes Korallenriff und auch kaum einladende Sandstrände. Dies wussten wir vorher und waren dann sogar überrascht, doch eine Ausnahme zu finden – Anakena Beach – und dort in den starken und hohen Wellen des Pazifik baden zu können. Statt palmengesäumter Sandstrände ist die Küste der Osterinsel hauptsächlich von steil abfallenden Felsen geprägt – natürlich aus schwarzem Vulkangestein.

Chile - Easter Island, Anakena Beach

Chile – Easter Island, Anakena Beach

Camping direkt am Meer

Chile - Easter Island, our campground

Chile – Easter Island, our campground

Was gibt es für eine bessere Vorstellung als auf einer der abgelegensten Inseln der Welt in einem Zelt zum Klang der Pazifikwellen einzuschlafen nachdem man die Sterne bewundert hat. Und wenn dies noch die bei Weitem kostengünstigste Übernachtungsmöglichkeit ist auf der Osterinsel, dann klingt das perfekt. Und so war es auch. Wir hatten glücklicherweise mit einigem Vorlauf den Campingplatz Mihinoa ausfinding gemacht und dort ein kleines Zwei-Personenzelt reserviert. Für knapp 19 EUR pro Nacht auf der Osterinsel zu nächtigen ist unglaublich günstig. Und dies inkl. Isomatten und Schlafsäcken. Dazu konnten wir uns selbst verpflegen und jeden Tag in der Campkitchen kochen sowie unser Frühstück zubereiten. Rundum eine perfekte Lösung für uns. Schöner Nebeneffekt war außerdem, dass wir so mit anderen Reisenden in Kontakt kamen – ausschließlich Auswanderer oder Langzeitreisende übrigens, abgesehen von ein paar Chilenen. :)

Individuelle Inselerkundung

Chile - Easter Island, Rapa Nui explorers

Chile – Easter Island, Rapa Nui explorers

Um die Insel zu erkunden kann man sich entweder Tagestouren anschließen, die einen in Gruppen und mit Bussen zu den „Hauptattraktionen“ der Insel fahren. Wir entschieden uns jedoch, Rapa Nui individueller kennenzulernen. So mieteten wir uns für zwei Tage ein Auto direkt von der polynesischen Betreiberfamilie unseres Campingplatzes – sicherlich einer der wenigen Orte auf der Welt, wo nicht mal das Vorzeigen einer Fahrerlaubnis nötig ist, kein Vertrag unterschrieben wird, der Schlüssel einfach direkt in die Hand gedrückt wird nach mündlicher Einigung über den Preis, welcher dann am Abreisetag beglichen wird :)

In unserem Flieger befanden sich Andrew aus South Carolina/USA und der Australier Anton, mit denen wir schon auf dem Weg vom Flughafen zum Campingplatz in Gespräch kamen. So kamen am ersten Tag beide mit uns auf große Entdeckungstour und Anton auch noch am zweiten Tag (Andrew hingegen hatte ganze 2 Wochen auf der Insel und ging es ruhiger an – beneidenswert!). Auf diese Weise konnten wir die Auto-Kosten auf noch mehr Köpfe verteilen und hatten zudem spannende Reisebegleiter. Der große Vorteil des individuellen besichtigen war, dass wir antizyklisch unterwegs waren und nahezu nirgendwo gemeinsam mit den größeren Touristengruppen zeitgleich waren. Auch konnten wir so noch spät nördlich von Hanga Roa den Sonnenuntergang bewundern und am nächsten Morgen noch bei Dunkelheit sehr früh aufbrechen, um den Sonnenaufgang auf der Ostküste der Insel – bei den berühmten 15 stehenden Moia des Ahu Tongariki zu bewundern (allerdings leider wolkenverdeckt).

Chile - Easter Island, 15 Moais of Ahu Tongariki

Chile – Easter Island, 15 Moais of Ahu Tongariki

Chile - Easter Island, Cloudy sunrise at Ahu Tongariki

Chile – Easter Island, Cloudy sunrise at Ahu Tongariki

Chile - Easter Island, 15+4 Moais of Ahu Tongariki

Chile – Easter Island, 15+4 Moais of Ahu Tongariki

Bewegende Geschichte

Wir alle 4 waren uns einig, nicht gänzlich auf Erklärungen dessen, was wir uns ansahen, verzichten zu wollen. So kauften wir uns ein gutes Buch, welches jegliche Plätze erklärte, deren Bedeutung deutete und insgesamt einigen Hintergrund zur Insel und seiner Geschichte gab. Man muss sich ohnehin darüber im Klaren sein, dass vieles über die Geschichte der polynesischen Ureinwohner, das Entstehen einer eigenen Kultur und die tragische Vernichtung derselben lediglich auf geschichtshistorischen Deutungen und Theorien basiert. So gibt es gänzlich unterschiedliche Annahmen dazu, wann und von wo die Insel erstmals besiedelt wurde. Man ist sich jedoch relativ einig, dass sich unterschiedliche Stämme bildeten, die die Insel unter sich aufteilten. Im Laufe der Zeit kam es zu Überbevölkerung auf der kleinen Insel und infolgedessen zu Ressourcenknappheit. Irgendwann waren wohl die Bestände an Seevögeln und anderen als Nahrung dienenden Tieren ausgelöscht und jegliche Wälder abgeholzt. Die Bewohner hatten sich ihren eigenen sprichwörtlichen Ast abgesegt und in der Folge kam es zu Stammeskriegen und dem (nahezu) Auslöschen einer ganzen Kultur durch sich selbst.

Moia – Gesichter aus Stein

Chile - Easter Island, Moais at Ahu Tongariki

Chile – Easter Island, Moais at Ahu Tongariki

Das „Wahrzeichen“, das der Osterinsel ein Gesicht gibt und weltweit bekannt ist, sind die Moai Steinfiguren. Man geht davon aus, dass es ursprünglich etwa 1000 solcher Figuren verteilt über die ganze Insel gab und es gilt als gesichert, dass diese nicht älter als 1500 Jahre sind. Die Moai standen immer als Teil von Zeremonialanlagen auf Platformen, den sog. Ahu. Jeder Stamm hatte wohl seine eigene Zeremonialstätte und Moai. Bis heute ist es ein Rätsel, was der eigentliche Zweck bzw. die Bedeutung der Statuen war. Als am wahrscheinlichsten gilt, dass die Moai im Rahmen eines Totenkults aufgestellt wurden, als Verbindung vom Diesseits zum Jenseits, zur Verehrung hochrangiger Stammesoberhäupter. Die Figuren sind wirklich imposant, jeder anders als die übrigen. Alle Moai standen wohl ursprünglich mit dem Rücken zum Meer, einige (oder alle?) hatten Kopfbedeckungen aus rotem Vulkanstein, sog. Topknots (Pukau). Diese wurden in einer speziellen Stätte auf der Insel gefertigt bzw. aus Stein gehauen: in Puna Pau.

Chile - Easter Island, Moais

Chile – Easter Island, Moais

Ebenso ist es bis heute unklar, wie die Menschen damals in der Lage waren, die teils riesigen Figuren über die ganze Insel zu transportieren und aufzurichten. Sie wurden nämlich wie die Topknots ebenfalls an genau einer Stelle, an der Felswand eines der 3 Vulkane der Insel (dem Rano Raraku), gefertigt. Diese „Moai-Fabrik“ ist eine der Hauptattraktionen der Insel, da dort noch heute an die 400 Moai zu finden sind. Teils sind sie (halb) vergraben, teils wurden sie halbfertig hinterlassen. Einige liegen, sind zerbrochen, andere sehen fast fertig aus und stehen aufrecht. Es macht einen wirklich sprachlos um den Vulkan zu laufen und diese Anzahl an unterschiedlichen Moai zu bestaunen. Im Fels befindet sich auch ein unfertiger Moai, mit einer Größe von knapp 22 m fast doppelt so hoch wie jeder fertige auf der Insel zu findende Moai und geschätzt 270 t schwer – ein vielfaches jedes fertigen Moai. Nicht vorstellbar, wie man geplant hatte diesen je über die Insel zu transportieren. Eines von vielen Rätseln dieser mystischen Insel.

Chile - Easter Island, unfinished Moai at Rano Raraku

Chile – Easter Island, unfinished Moai at Rano Raraku

Chile - Easter Island, unfinished Moais at Rano Raraku

Chile – Easter Island, unfinished Moais at Rano Raraku

Chile - Easter Island, unfinished Moais at Rano Raraku

Chile – Easter Island, unfinished Moais at Rano Raraku

Über die zwei Tage verteilt, erkundeten wir so ziemlich jede der Moai sites, darunter neben den angesprochenen Puna Pau und Rano Raraku auch Tongariki (die 15 stehenden Moai), welche das beliebte Sonnenaufgangsmotiv sind sowie die Moai bei Tahai hinter welchen die Sonne untergeht.

Mehr als „nur“ Moai

Chile - Easter Island, Motus Kau Kau, Iti and Nui off Southern Cape, View from Orongo

Chile – Easter Island, Motus Kau Kau, Iti and Nui off Southern Cape, View from Orongo

Die Osterinsel hat gar noch mehr zu bieten als die schiere Menge an unterschiedlichen Moai. Die Vulkane sind zu erkunden und auf einem – dem Rano Kau, an der südwestlichen Spitze der Insel – lässt sich Orongo besichtigen. Dies ist der Ort des Vogelmann-Kults. Kurz beschrieben ging es bei einem jährlichen Wettkampf darum, dass junge Männer die Felswand hinab kletterten, zm nahegelegenen Motu Nui schwammen (durch Hai-Gewässer), dort den Felsen hinauf kletterten und ein Ei suchten. Ziel war es, das erste Ei einer bestimmten Seeschwalbenart zu finden und dieses unversehrt wieder zurück nach Orongo zu bringen. Fraglos ließen etliche Männer dabei ihr Leben, betrachtet man die steilen Felsen und die Strecke bis zum Motu. Auch besuchten wir einige Höhlen und Lavakanäle, in die man teils auf allen Vieren krabbeln musste und man sollte dies nicht ohne Stirnlampe tun.

Chile - Easter Island, Hanga Roa harbour

Chile – Easter Island, Hanga Roa harbour

Chile - Easter Island, view out of Ana Kio (Cavern of the two windows)

Chile – Easter Island, view out of Ana Kio (Cavern of the two windows)

Chile - Easter Island, Ana te Pahu (Banana) Cave

Chile – Easter Island, Ana te Pahu (Banana) Cave

Dieser Blogeintrag ist schon unheimlich lang und er könnte noch viel länger werden. So waren wir beispielsweise am letzten Tag gemeinsam mit dem Australier Anton tauchen und sahen den vor der Osterinsel unter Wasser liegenden Moai. Die Osterinsel hielt allemal was wir uns von ihr versprochen hatten. Dieser Ort ist mystisch und so abgelegen, dass man wenn überhaupt höchst wahrscheinlich nur 1 Mal in seinem Leben dorthin kommt. Wir waren absolut beeindruckt und werden Rapa Nui nicht so bald aus unseren Köpfen bekommen.

Chile - Easter Island, scubadiving

Chile – Easter Island, scubadiving

Chile - Easter Island, scubadiving, underwater Moai

Chile – Easter Island, scubadiving, underwater Moai

Chile - Easter Island, scubadiving, underwater Moai

Chile – Easter Island, scubadiving, underwater Moai

Haltet euch fest, wenn wir euch sagen, wie viele Fotos wir in 3-4 Tagen Osterinsel geschossen haben.. dies stellt alles in den Schatten und es dauerte immens lange, diese nun zu sichten, auszusortieren und teils zu bearbeiten. Es waren über 1000! Wir entschieden uns etwa 400 davon zu behalten und euch eine große Anzahl dieser in zwei Fotoalben hier auf unserem Blog zu präsentieren. Seht selbst! :)

Klick hier für das 1. Album mit Osterinsel Fotos und

Klick hier für das 2. Album mit Osterinsel Fotos!

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