La Paz – Überraschend moderne „Hauptstadt“

Oktober 31, 2015

Positiv überrascht von La Paz (17.-30.10.2015)

Nach unserem kurzen Zwischenstop am Titikakasee, erreichten wir per Bus unser nächstes Ziel: La Paz. Wir sollten dort schließlich deutlich mehr Zeit als geplant verbringen, da wir uns sehr wohl fühlten. Gemeinhin wird die Stadt als Hauptstadt Boliviens bezeichnet – dies ist nicht ganz korrekt, wie wir lernten: Sucre ist die eigentliche Hauptstadt und La Paz hat den Regierungssitz; und zwar den höchstgelegenen Regierungssitz der Erde – die Stadt liegt auf einer Höhe von 3200-4100m (wenn man das angrenzende El Alto miteinbezieht). Zum Vergleich: Die höchste Erhebung in Deutschland ist die Zugspitze mit knapp unter 3000m Höhe auf dem Gipfel :) Die Höhe ist schon deutlich zu spüren in der Stadt – auch wenn man wie wir bereits eine längere Zeit in den Anden verbracht hat. La Paz liegt in einer Art Kessel und ist ziemlich hügelig.. einige Straßen sind wirklich steil. Jeder Anstieg lässt einen schnell schwer atmen und zwingt zu Pausen. Dazu bringt die Höhe auch große tagtägliche Temperaturunterschiede mit sich, wie wir es bereits in den übrigen Andenstaaten erfahren hatten: Tagsüber scheint die Sonne, es ist oft wolkenklar, gar warm genug für ein T-Shirt. Sobald die Sonne jedoch hinter einer Wolke verschwindet, man sich in den Schatten begibt oder die Sonne abends untergeht, wird es schlagartig bitterkalt. Das ist wirklich gewöhnungsbedürftig für uns und hat natürlich Einfluss auf den Lebensstil der Menschen. So gibt es beispielsweise auch in der wärmsten Zeit des Jahres quasi keine abendliche „Draußen-sitz-Kultur“. In Restaurants sitzt man grundsätzlich drinnen in den Andenstaaten – etwas, das wir ein wenig vermissen und erst später in Argentinien wieder anders antreffen sollten.

Der vollständige Name der Stadt lautet übrigens Nuestra Señora de La Paz, wörtlich übersetzt: „Unsere liebe Frau des Friedens“. Dieser Name geht zurück auf eine siegreiche Schlacht im Unabhängigkeitskrieg gegen die Spanier.

Bolivien ist einer von nur zwei Binnenstaaten in Südamerika (der andere ist Paraguay). Jeglichen Zugang zum Meer hatten die Bolivianer in einer Reihe von Kriegen mit ihren Nachbarstaaten eingebüßt. Dies hat natürlich Auswirkung auf die Wirtschaft, da der Langstrecken Im- und Export zu einem erheblichen Teil über den Seeweg abgewickelt wird und folglich die Transportkosten für ein Land wie Bolivien sehr hoch sind.

Bolivien gilt als einer der ärmsten Staaten des Kontinents – vielleicht einmal abgesehen von den Staaten im Norden Südamerikas (wie Venezuela, Guyana, Surinam etc.). Bei unseren Reisevorbereitungen hatten wir viel Positives über das Land gelesen und zudem lag es perfekt auf unserer Route. Jedoch hörten wir während unserer Reise auch immer wieder davon, wie wenig entwickelt das Land sei (kaum heißes Wasser, keine Heizungen trotz bitter Kälte), von fehlender Infrastruktur bis hin zu wie gefährlich es sein kann. Am Ende unseres Bolivien-Trips, der uns quer von Nord nach Süd durch das Land führen soll, werden wir ein Fazit ziehen. Nach unserer Zeit in La Paz können wir jedoch bereits so viel sagen: wir waren sehr positiv überrascht und fühlten uns pudelwohl.

Authentischer Eindruck von Bolivien

Einen erheblichen Teil trug unsere Gastgeberin dazu bei, dass wir uns so wohl fühlten. Wir hatten kurzerhand über Airbnb eine Unterkunft gebucht und das mit recht wenig Vorlauf – gerade einmal 1 oder 2 Tage vor Ankunft. Normalerweise legen wir Wert darauf, dass Inserenten bei Airbnb bereits positive Referenzen anderer Gäste haben. In diesem Fall jedoch war es anders und stellte sich als Glücksgriff heraus: Eliana hatte sich gerade erst tagszuvor bei Airbnb angemeldet und inseriert. Sie bot ein Privatzimmer mit eigenem Bad in ihrer Wohnung zu einem sehr günstigen Preis an. Erstmals buchten wir über Airbnb ohne eine ganze Unterkunft für uns alleine zu haben, denn Eliana wohnte ja selbst ebenfalls in der Wohnung. Von Beginn an war alles perfekt: Eliana war unglaublich nett, sprach super Englisch und sogar ein paar Brocken Deutsch, da sie eine Zeit in Potsdam studiert hatte. Die Wohnung war super, unser Zimmer toll.. die zwei Katzen sehr lieb :)

Bolivia - La Paz - Tambo food fair

Bolivia – La Paz – Tambo food fair

Bolivia - La Paz - Tambo food fair - cow hearts

Bolivia – La Paz – Tambo food fair – cow hearts

Bolivia - La Paz - Tambo food fair - lunch

Bolivia – La Paz – Tambo food fair – lunch

Wir genossen es, am Wochenende mit Eliana gemeinsam zu frühstücken und uns ausgiebig zu unterhalten. Wir erfuhren so viel über Boliviens Kultur, Historie, über Land und Leute von ihr. Bolivien ist ein sehr spannendes Land und hat in Südamerika den größten prozentualen Anteil an indigener Bevölkerung: etwa 50% der knapp 11 Mio Bolivianer sind indigener Abstammung. Aus diesem Grund sind Bräuche und Glauben indigener Gruppen tief im Bolivianischen Alltag sämtlicher Menschen verankert. So spielt Pacha Mama (Mutter Erde) eine sehr wichtige Rolle, Berge/Vulkane werden bspw. als lebendig angesehen und als Schützer der Stadt. Man hat übrigens von La Paz eine herrliche Sicht auf die hohen Gipfel in der Gegend, wie bspw. den 6439m hohen, schneebedeckten Illimani, um den sich Legenden und Geschichten der indigenen Einwohner La Paz‘ (Aymara) ranken. Hexen-Kulte sind immer noch üblich.  All dies ist schwierig zu beschreiben und sicherlich haben auch wir in der begrenzten Zeit dort nur ansatzweise verstanden, wie die Menschen leben und an was sie glauben. Es war aber äußerst spannend einen Eindruck davon bekommen zu haben.

Einen Tag gingen wir gemeinsam mit Eliana und ihrer Mutter auf das Tambo Fest – eine Art Messe für Essen und Trinken. Dort konnte man unter anderem Gerichte aus den unterschiedlichen bolivianischen Provinzen probieren. Eliana kochte ein-zwei Mal für uns typisch bolivianisch, lud ihre Freunde ein, mit denen wir eine gute Zeit hatten. Rundum eine tolle Erfahrung für uns, auf diese Weise mit locals in Kontakt zu kommen und das authentische Bolivien kennenzulernen. So kam es, dass wir die über Airbnb gebuchten Tage noch deutlich verlängerten und im Endeffekt fast zwei Wochen in La Paz verbrachten. Nun – einen Teil dieser Zeit ging es jedoch auf einen Abstecher in den Dschungel – dazu mehr in separatem Blogeintrag.

Eine moderne Metropole

Bolivia - La Paz - Riding the Teleferiqo, yellow line, up to El Alto

Bolivia – La Paz – Riding the Teleferiqo, yellow line, up to El Alto

Bolivia - La Paz - Riding the Teleferiqo, Green Line (South)

Bolivia – La Paz – Riding the Teleferiqo, Green Line (South)

Bolivia - La Paz - Riding the Teleferiqo, yellow line, up to El Alto

Bolivia – La Paz – Riding the Teleferiqo, yellow line, up to El Alto

La Paz selbst gefiel uns besser als erwartet – viel besser als beispielsweise Ecuadors Quito. Wir waren sehr überrascht, wie modern die Stadt wirkte. Vor wenigen Jahren wurden die ersten 3 Linien einer hochmodernen und äußerst effizienten Seil-/Gondelbahn („Teleferiqo„) eröffnet und weitere Lininen sind in Planung/ im Bau. Diese cable cars sind zwar auch eine Touristenattraktion, jedoch in erster Linie ein ganz normales Fortbewungsmittel in der Stadt. Sehr rasch und umweltfreundlich kann man mit dem Teleferiqo lange Strecken in der Stadt bewältigen (so z.B. hoch nach El Alto fahren), was mit dem Auto oder mit Bussen kaum möglich wäre. Dazu hat man eine beeindruckende Aussicht über die Stadt und die Nutzung kostet kaum etwas (3 Bolivanos = 39 Cent). Wir fuhren sowohl hoch nach El Alto, von wo aus man eine spektakuläre Aussicht über die Stadt hat, wie auch ganz in den Süden der Stadt – die Gegend der wohlhabenen Menschen hier.

Bolivia - La Paz - Panoramic view from El Alto

Bolivia – La Paz – Panoramic view from El Alto

Hexenkulte und Opfergaben

Bolivia - La Paz - Witches' Market, Lama fetuses

Bolivia – La Paz – Witches‘ Market, Lama fetuses

Wir erkundeten ein wenig die Stadt – schauten uns das berühmte San Pedro Gefängnis an (nur von außen :) ) und auch den bekannten Hexenmarkt. Dort gab es unter anderem getrocknete Lama Föten zu kaufen! Wir hatten dies bereits auf Märkten in Peru gesehen. Diese toten Föten müssen bei jeglichen Bauten geopfert werden, damit Pacha Mama das Gebäude beschützt. So wird ein ein Fötus in das Fundament geopfert. Uns wurde von unterschiedlichen Personen mit aller Ersthaftigkeit jedoch auch berichtet, dass bei Großbauten (z.B. Hochhäusern), es nicht ausreiche, einen kleinen Lama Fötus zu opfern. Man würde daher sogar menschliche Opfer erbringen und Bauarbeiter würden sich gar weigern mit ihrer Arbeit fortzufahren, bis eine solche Opfergabe erfolgt sei. Wir haben in diesem Zusammenhang Schauergeschichten gehört – was daran tatsächlich wahr ist, werden wir wohl nie erfahren :)

Wie bereits erwähnt, haben wir von La Paz aus einen Abstecher in den bolivianischen Dschungel unternommen. Nach Rückkehr haben wir per Mountainbike die sog. Death Road bezwungen – welche als gefährlichste Straße der Welt galt. Wir werden darüber separate Einträge schreiben.

Von La Paz aus sollte es Richtung Süden gehen, mit Sucre als nächstem Stop.

Klick hier für Fotos von La Paz und

Klick hier für Fotos von der Death Road!

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