Huanchaco, Trujillo – wenig beeindruckender Zwischenstop

September 22, 2015

Kurzer Halt an Nord-Perus Küste (19.-21.09.2015)

Nach unserem Abenteuer in den Nord-Peruanischen Anden ging es zunächst für einen kurzen Zwischenstop an die Küste.Dies war zum einen notwendig, da entlang der Anden keine wirkliche Verbindung gen Süden existiert, und zum anderen, weil 1-2 vielversprechende Orte am Pazifik lockten. Jetzt denkt aber bitte nicht an Bade-Strand-Tage – das ist zumindest zu dieser Jahreszeit nur für Hartgesottene etwas in der Gegend :) Dennoch: der Ort Trujillo mit seinen historischen Ausgrabungsstätten aus der präkolumbischen Chimu-Zeit (1250-1470 n. Chr., u.a. die damalige Hauptstadt Chan Chan) versprach interessante Erkundungen.

Zunächst ein paar Worte über unsere erste Südamerika-Nachtbus Erfahrung :) Man muss wissen, dass es kaum Züge in Südamerika gibt und Flüge in der Regel recht teuer sind – somit ist der Bus DAS Reiseverkehrsmittel innerhalb der Länder, wie auch grenzüberschreitend. Es gibt unzählige Unternehmen mit sehr unterschiedlichen Preisen für vergleichbare oder gar identische Strecken; einige Anbieter konzentrieren sich auf bestimmte Regionen innerhalb eines Landes; und zu guter letzt, gibt es oft unterschiedliche Buchungsklassen im selben Bus. Für lange Fahrten – vor allem Nachtfahrten – hat man meist die Wahl zwischen der Cama Klasse (Liegesitze) und Semi-Cama (Halb-Liegesitze). Man kann aus dem Thema Fernbusfahrt in Südamerika eine Wissenschaft machen (Neigungswinkel der „Liege-„Sitze zwischen Unternehmen und Klassen vergleichen :) ). Generell gilt – wenig überraschend: die besseren Busunternehmen verlangen halt höhere Preise als andere, bieten aber eben auch meistens ein wenig mehr Komfort (Beinfreiheit, größerer Neigungswinkel der Sitze in Liegeposition, Essen, Decke und Kissen etc.).

Für unsere 8-stündige Fahrt von Chachapoyas nach Chiclayo über Nacht, hatten wir uns für eines der besseren Bus-Unternehmen (Moviltours), jedoch die günstigere Semi-Cama Klasse entschieden (befindet sich generell oben in den doppelstöckigen Bussen), sowie für die letzte Reihe. Letzteres sollte sich als Schnapsidee erweisen, da die äußeren Sitze noch weniger in Liegeposition zu bringen waren als die übrigen in selbiger Klasse und die Serpentinenstraßen und Schlaglöcher ganz hinten am meisten zu spüren sind. Naja, lesson learned, nicht viel Schlaf bekommen, aber Fahrt gut überstanden und zumindest den Anbieter Moviltours für gut befunden. Übrigens hat man in so einem Bus wesentlich mehr Beinfreit als auf (economy class) Flügen – egal mit welcher Airline und der „checkin-Prozess“ ist sogar ähnlich: man gibt 30 min vor Abfahrt sein Gepäck auf, erhält einen Voucher darüber und muss sich dann keine Gedanken mehr über das Einladen und Verstauen machen. Hat übrigens in Peru auch in den Folgewochen ausnahmslos verlässlich funktioniert. Nach dem Platznehmen im Bus, geht ein Mitarbeiter mit Videokamera durch den gesamten Bus und filmt jeden Passagier. Uns ist bis jetzt nicht ganz klar, was damit bezweckt wird. Es wird gemunkelt, dass so im Falle eines Unfalls dokumentiert ist, wer tatsächlich an Bord war… vielleicht hat es aber auch andere Sicherheitsaspekte 😉

Eigentlich war nicht Chiclayo unser Reiseziel, sondern Huanchaco. Da wir an einem Donnerstag vergeblich versucht hatten für Freitag Abend eine Nachtbusfahrt nach Trujillo (nahe Huanchaco) zu buchen (ausgebucht!), mussten wir ausweichen auf Chiclayo und dort umsteigen. Wieder etwas gelernt für zukünftige Fahrten: Wochenende meiden oder längerfristig im Voraus buchen! Wir müssen aber auch gestehen, dass wir während dieser langen Reise tatsächlich das Gefühl dafür verlieren, welcher Wochentag gerade ist (sorry an alle hart arbeitenden Daheimgebliebenen!! :) ). Wir stiegen also in Chiclayo früh morgens um (inkl. Busterminalwechsel) und fuhren weitere 2-3 Stunden mit kleinem Regionalbus die Küste entlang gen Süden bis nach Trujillo. Von dort ging es dann mit Taxi nach Huanchaco.

Diese ganze Fahrt machten wir nicht allein – unsere beiden Australien-Bekanntschaften Aaron und Linda, die wir erstmals in Ecuador kennenlernten, hatten dasselbe Ziel und so waren wir zu viert unterwegs. Unsere erste Nachtbusfahrt war nicht die einzige Premiere für uns: wir hatten auch erstmals auf unserem Trip keine Unterkunft reserviert, bevor wir im Zielort ankamen. So hieß es mit allem Gepäck den Strand entlang laufen und nach einer Bleibe suchen. Erste Enttäuschung machte sich bei uns allen 4 breit: Huanchaco war uns von mehreren anderen Reisenden als toller (Surfer-)Strandort empfohlen worden. Realität: Strand? Ja, gibt es. Surfer auch. Aber toll? Nein! Der Strand ist weder einladend zum Liegen noch zum Schwimmen (OK, das Wasser wäre eh kalt gewesen), alles ist ziemlich teuer (weshalb wir auch lange nach einer Unterkunft suchten) und insgesamt hat der Ort einfach so gar keinen Charme oder Besonderes. Aus all diesen Gründen wollten wir (alle 4) eigentlich direkt weiterziehen am nächsten Tag. Nächste Enttäuschung: es ist ja natürlich immer noch Wochenende – also wieder keine Nachtbusfahrt kurzfristig verfügbar. Unser nächstes Ziel lautete Huaraz. So mussten wir wohl oder übel eine zweite Nacht dranhängen und dann am Montag früh einen Tages-Bus nehmen.

Das Ganze war natürlich kein Drama – wir haben gelernt, dass man sich nicht zwangsläufig von Empfehlungen anderer Reisender eigene Highlights versprechen muss. Außerdem muss und kann ja nicht jeder Tag ein solches Highlight sein, bei einer so langen Reise. Und: da wir nicht so Traumstrand-verwöhnt sind wie unsere Australischen Reisefreunde, war die Enttäuschung bei uns auch nicht ganz so dramatisch wie bei den beiden Fluchenden! 😀

Peru - Trujillo - Chan Chan Ruinen, Hauptstadt des präkolumb. Chimu Reichs

Peru – Trujillo – Chan Chan Ruinen, Hauptstadt des präkolumb. Chimu Reichs

Peru - Trujillo - Chan Chan Ruinen, Hauptstadt des präkolumb. Chimu Reichs

Peru – Trujillo – Chan Chan Ruinen, Hauptstadt des präkolumb. Chimu Reichs

Peru - Huanchaco - Caballitos de Totora

Peru – Huanchaco – Caballitos de Totora

Wir nutzten die Zeit in Huanchaco, um uns die nahegelegenen Chan Chan Ruinen (Hauptstadt der Chimu Kultur) anzusehen – eine riesige Ausgrabungsstätte. Auch Trujillo statteten wir einen kurzen Besuch ab und schlenderten über den Plaza de Armas und umher. Im übrigen ist Huanchaco doch noch für eine Besonderheit bekannt: die Caballitos de Totora („Schilf-Pferdchen“). Als solche werden die traditionellen Boote der ansässigen Fischer bezeichnet, mit denen diese noch heute hinaus aufs Meer fahren. Da quasi ausschließlich aus Schilf bestehend, verroten diese Boote recht schnell und so bauen die Fischer sich in Abständen von wenigen Monaten ein neues Pferdchen.

Am frühen Morgen des Montag, 22.09.15, ging es für uns 4 dann los nach Trujillo und von dort erneut mit einem Moviltours Bus bis nach Huaraz, in die Cordillera Blanca (weiße Kordillere) – also zurück in die luftige Höhe der Anden.

Klick hier für Fotos von Trujillo und Huanchaco!

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