Ausreiseprobleme von Peru nach Bolivien

Oktober 17, 2015

Abzocke bei der Ausreise aus Peru (16.10.2015)

Wir saßen am frühen Morgen im Bus in Richtung der nahegelegenen Grenze zu Bolivien. Es boten sich schöne Aussichten auf den Titicacasee, während sich die Straße an der Südseite des Sees entlang schlängelte. Kurz darauf erreichten wir auch schon die Grenze.

Uns war bewusst, dass wir unsere Aufenthaltsdauer in Peru überzogen hatten – nur ganz wenig.. nämlich um ganze 2 Tage! Und das kam so: Bei der Einreise von Ecuador nach Peru wurden wir vom Grenzer gefragt, wie lange wir planen zu bleiben. Aus Unerfahrenheit und Unüberlegtheit heraus, antworteten wir damals gemäß unserer Reiseplanung: „ca. 4 Wochen“. Daraufhin stempelte uns der Herr 30 Tage in den Pass. Als Deutscher kann man problemlos bis zu 90 Tage erhalten. Rückblickend hätten wir einfach mehr Tage verlangen sollen bereits bei der Einreise. Nun war es aber so, dass wir in Huaraz und auch in Cusco teils aufgrund leichterer Erkrankungen mehr Zeit verbrachten als geplant und uns in Cusco schon bewusst wurde, dass wir die 30 Tage überschreiten würden. So gingen wir dort erstmals zum Migracion office und erfuhren, dass wir pro „Überziehungstag“ 1-2 US Dollar (p.P.) zahlen müssten, dies aber nicht dort machen könnten, sondern lediglich im Büro in Puno. In Puno suchten wir also besagtes Büro auf und wurden erneut abgewiesen.. wir müssten einfach an der Grenze den Überziehungsbetrag direkt bezahlen und könnten problemlos ausreisen. An der Grenze angekommen, erwies sich dies leider als nicht wahr oder der „Grenzbeamte“ wollte uns abzocken – beides vorstellbar.

Unser Bus hielt vor der Grenze, alle Passagiere stiegen aus und reihten sich ein in die Schlange zum Ausstempeln, während der Bus bereits über die Grenze fuhr. Nach diesem Prozedere muss man die Grenze zu Fuß überqueren und dann in Bolivien wieder „einstempeln“, bevor man wieder in den Bus steigt. Als wir im peruanischen Büro nun endlich an der Reihe waren, wurde uns gesagt, wir könnten nicht direkt vor Ort bezahlen, sondern müssten in einen Nachbarort fahren, dort bei einer Bank die Strafgebühr begleichen, mit einem Beleg darüber wieder kommen und könnten erst dann passieren. Es ging um 2 Tage à 1 US Dollar pro Person (wir hatten US Dollar in bar dabei!). Also wegen 4 Dollar einen Transfer hin und zurück zum nächsten Ort zu finden, klingt schon unsinnig. Aber es war sogar unmöglich, denn der Busfahrer drohte nun gleichzeitig damit, nicht auf uns zu warten und mit unserem Gepäck planmäßig weiterzufahren. Unmöglich also für uns, es in den nächsten Ort zu schaffen. So richtig helfen mit einer Lösung wollte keiner. Mittlerweile waren weitere große, volle Reisebusse hinter uns eingereiht und die Schlange an Menschen ging weit aus dem kleinen Gebäude hinaus auf die Straße und diese hinunter. Unser Bus war inzwischen komplett abgefertigt und alle auf dem Weg nach Bolivien zum Einstempeln. Was tun?! Wir drängelten uns an der gesamten Schlange vorbei, direkt bis nach vorne zum Grenzbeamten. Wir versuchten ihm die Situation zu erklären und erfragten, ob wir nicht doch bei ihm direkt in bar – ggf. gegen einen Aufpreis – die 4 USD bezahlen könnten. Er verneinte zunächst abermals, aber bot dann irgendwann an, uns gegen Zahlung weiterer 20 USD passieren zu lassen. Wir bräuchten allerdings vorab noch je 3 Kopieren von je 2 Seiten unserer beiden Pässe – also 12 Kopien insgesamt.. die man (Zufälle gibt’s!) nebenan machen lassen kann. Natürlich nicht umsonst. Grrrrrrr! Wir stürmten also wieder hinaus und in den „copyshop“. Wir hatten aber kein peruanisches Bargeld mehr. Also verhandelte Pauline bereits mit der Dame uns ganz schnell die Seiten zu kopieren, während Nils draußen bei den windigen „cambio“ (Wechsel) Dealern ein paar peruanische Sol ertauschte – gerade genug für die Kopien. Als wir endlich die Kopien in der Hand hatten, mussten wir uns erneut an der Schlange an Menschen vorbeidrängeln und wurden nun fast gelyncht vom Mob. So standen wir wenig später zum dritten Mal vor dem Grenzer und überreichten unsere 24 USD (passend) sowie unsere 12 Kopien – in der Hoffnung endlich ausreisen zu dürfen. Unglaublich aber wahr – wir wurden abermals enttäuscht! Der Grenzer gab uns zwei der 1 USD Scheine zurück und meinte, diese würde er nicht annehmen weil sie nicht gut/neu genug aussehen würden. Wir verstanden, dass er nicht scherzte und mussten nun ernsthaft an uns halten, ihm nicht über seinen Tisch ins Gesicht zu springen. Hinter uns stand ein älteres Deutsches Pärchen, die uns zum Glück die Noten gegen andere 1 Dollar Scheine tauschen konnten. Diese nahm der peruanische uniformierte Idiot an, stempelte uns aus und wir rannten letztmalig hinaus und über die Grenze nach Bolivien.

Bordercrossing Peru-Bolivia

Bordercrossing Peru-Bolivia

Unser Bus stand noch da, erneut mussten wir Schlange stehen und der Bus drohte weiterhin mit Abreise und uns zurückzulassen. Im Endeffekt schafften wir es – kein Scherz! – auf den im Anfahren befindlichen Bus noch aufzuspringen mit unseren Bolivien Stempeln in den Pässen. Puh!

Hätten wir einfach übersehen, dass wir zu lange im Land waren, wäre all das ärgerlich gewesen aber wir wären selbst Schuld. Da wir aber rechtzeitig versucht hatten, die Situation schon von Cusco und Puno aus zu regeln und dann dennoch dieses nervenaufreibende Erlebnis bei der Ausreise hatten – das ärgerte uns um so mehr. Wir hatten letztlich viel Schererei und Lehrgeld gezahlt, waren aber nun in Bolivien. An Peru haben wir schöne Erinnerungen, tolle Dinge gesehen und erlebt, nette Menschen getroffen… die Erfahrung bei der Ausreise vermiest all das natürlich nicht und wir sind eine Erfahrung reicher. Es werden in den nächsten Monaten unserer Reise sicher noch andere „spannende“ Erlebnisse an Grenzen folgen.

Mit einem Zwischenstopp in Copacabana inkl. Buswechsel, ging es weiter Richtung La Paz. Erste lustige Erfahrung in Bolivien: vor Einfahrt in den kleinen Ort Copacabana stoppte der Bus, ein Mann stieg ein und verlangte 2 Boliviano „Citytax“ für die „Einreise“ in den Ort. Das sind etwa 25 Eurocent pro Person – also kein Grund dies infrage zu stellen. Aber wir sollten in den nächsten Wochen in Bolivien noch viele dieser Situationen haben, in denen die Städte und Gemeinden sehr kreativ sind im Erfinden irgendwelcher „taxes“ (Steuern oder Gebühren), die sie für das Betreten des Busbahnhofs, des Bahnsteigs oder innerhalb des Flughafens für den Abflug oder auch an der Grenze für die Ausreise aus dem Land, verlangen. Meist sehr geringe Beträge – daher recht amüsant.

Bolivia - Lake Titicaca - Baby Lama

Bolivia – Lake Titicaca – Baby Lama

Bolivia - Lake Titicaca - channel crossing

Bolivia – Lake Titicaca – channel crossing

Bolivia - Lake Titicaca, crossing on "ferry"

Bolivia – Lake Titicaca, crossing on „ferry“

Auf der Weiterfahrt galt es einen Fluß / Seitenarm des Titicacasees zu überqueren. Die Passagiere wurden mit kleinem Boot auf die andere Seite gebracht, die großen Busse (und auch LKWs und PKWs) wurden mit einer Art Flößen, hinüber geschifft. Das war mulmig mit anzusehen (unsere Rucksäcke waren ja im Bus), aber letztlich ging alles gut :) La Paz erreichten wir am späten Nachmittag und sollten dort im Endeffekt fast 2 Wochen bei unserer tollen Gastgeberin Eliana verbringen. Dazu mehr im nächsten Beitrag :)

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